Der Geist der Schreibmaschine (Teil 3): Die Ära der Tastatur-Revolution
Was folgte, war ein kurzes, brillantes "Goldenes Zeitalter" der Erfindungen. Für ein paar Jahre (etwa 1977–1992) hörten Ingenieure auf zu fragen: "Wie können wir es billiger machen?" und begannen zu fragen: "Wie können wir es an die menschliche Hand anpassen?"
Die Explosion der Ideen
Sobald die medizinische Fachwelt die "ulnare Abduktion" (das Abknicken der Handgelenke nach außen) als Feind identifiziert hatte, begannen Erfinder, die Tastatur in ihre Einzelteile zu zerlegen. Sie erkannten, dass sie das Problem nicht lösen konnten, indem sie das Board lediglich krümmten – sie mussten das "Geist"-Layout komplett aufbrechen. Sie wandten sich spaltenförmigen Layouts (gerade vertikale Tasten) zu.
Das in Großbritannien hergestellte Maltron war seiner Zeit um Jahrzehnte voraus und war das erste Gerät, das vollständig auf eine 3D-Tastenmulde setzte. Der Erfinder Stephen Hobday und die Trainingsexpertin Lillian Malt erkannten, dass Finger unterschiedlich lang sind, und platzierten die Tasten daher in einer konkaven Schale, um der natürlichen Krümmung der Hand zu entsprechen.
Während man im Westen noch über Ergonomie debattierte, wurde sie in Japan bereits umgesetzt. NEC veröffentlichte das PC-8801-KI (M-System), eine vollständig geteilte, angewinkelte Tastatur, die für die japanische "M-System"-Eingabemethode entwickelt wurde.
Vielleicht der radikalste Bruch mit der Geschichte: Das DataHand verzichtete komplett auf ein "Board". Es platzierte jeden Finger in einer kleinen Mulde mit 5 Richtungsschaltern. Es eliminierte die Bewegung des Handgelenks nahezu vollständig.
Aufbauend auf den Konzepten, die von Maltron begründet wurden, brachte Kinesis die Contoured (Modell 100) auf den US-Markt. Sie brachte die "Schalenform" und die spaltenförmigen Tasten einem breiteren Publikum näher und positionierte sich als medizinisches Werkzeug für ernsthafte Profis.
Der Wendepunkt
Um 1992 existierte die Lösung. Die "spaltenförmige Wahrheit" (Maltron/Kinesis) gewann an Bedeutung. Wir waren nur noch Tage davon entfernt, den Geist der Schreibmaschine endgültig auszutreiben.
Doch 1993 wachten die Tech-Giganten auf. Sie erkannten den "Ergonomie-Trend" und beschlossen, in das Spiel einzusteigen – nicht um es zu revolutionieren, sondern um es zu kommerzialisieren.
Nächster Teil der Serie: In Teil 4 betreten Apple und Microsoft die Arena. Wir untersuchen, wie ihr massiver kommerzieller Erfolg die Pfadabhängigkeit verstärkte und die ergonomische Revolution versehentlich tötete.
Serie: Der Geist der Schreibmaschine
- Teil 1: Der 150 Jahre alte Fehler
- Teil 2: Die arbeitsmedizinische Krise
- ➤ Teil 3: Die Tastatur-Revolution (Sie sind hier)
- Teil 4: Kommerzieller Erfolg & Die Falle
- Teil 5: Wie fehlerhafte Daten die Wissenschaft kontaminierten
- Teil 6: Die zweite Revolution (Finale)
Werden Sie Teil der modernen Revolution.
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